Ein 19jähriger Franzose sichert sich eine Playstation zum Schnäppchen-Preis. Wie? Er legt die Konsole auf die Obstwaage, druckt ein Etikett mit dem Warenwert 9,29 Euro aus – und zahlt an der Selbstbedienungskasse. Aufgeflogen ist er, weil er das einen Tag später noch mal versucht hat.

Wir fragen uns an der Stelle: Sind SB-Kassen nicht eine Einladung für genau solche Betrugsversuche? Frank Horst vom Forschungsinstitut für Handel in Europa (EHI) sagt nein. Zu den rund 800 Mitgliedern des EHI zählen internationale Handelsunternehmen und deren Branchenverbände, Hersteller von Konsum- und Investitionsgütern und verschiedene Dienstleister. Nach der Erfahrung von Frank Horst wird an SB-Kassen nicht mehr oder weniger betrogen als an Kassen, an denen Supermarktangestellte die Ware über den Scanner ziehen. Denn Etikettenschwindel gibt es auch da. Allerdings wird selten so dreist betrogen, wie beim aktuellen Fall aus Frankreich.

Valide Studien darüber gibt es allerdings nicht. Auch aus dem Grund, dass sich die Supermärkte da nur ungern öffentlich zu äußern möchten.

Nicht für den Großeinkauf gedacht

Dass mit den SB-Kassen Personal eingespart werden soll, sei ein Märchen, das man nicht aus den Köpfen bekomme, sagt Frank Horst. Denn die Selbstbedienungskassen seien als Dienst am Kunden gedacht. Sie sollten in Stoßzeiten lange Warteschlangen verhindern. Sie seien allerdings nicht für den Großeinkauf gedacht, sondern für Kunden, die schnell einige wenige Artikel kaufen wollen.

"Weil man auf gleicher Fläche mehr Kassen stehen hat und dadurch einen schnelleren Durchfluss hat. Und das hat für die Kunden eben Vorteile."
Frank Horst, Leiter des Forschungsbereichs Inventurdifferenzen und Sicherheit am EHI

Mitarbeiter spare man mit diesen Kassen nicht ein, versichert Frank Horst. Denn auch diese Kassen benötigten eine Betreuung. In vielen Branchen sei das auch Pflicht, zum Beispiel, um beim Kauf von Alkohol oder Zigaretten zu kontrollieren, dass die Altersfreigabe nicht unterschritten wird.

SB-Kassen sind Kundenservice

Dass Supermärkte trotzdem SB-Kassen anbieten, habe auch mit der Konkurrenzsituation zu tun. Denn wenn Kunden merkten, dass sie zu bestimmten Zeiten in einem Supermarkt immer lange anstehen müssen, dann gingen sie eben zum nächsten und kauften da ein. Zusätzlich sollten die Angestellten entlastet werden. Statt hinter der Kasse zu sitzen, seien sie ansprechbar für die Kunden und könnten mehr Service bieten, sagt Frank Horst.

"Man hat vier SB-Kassen auf der Fläche, wo heute zwei bediente Kassen stehen. Man hat aber trotzdem noch immer eine Kassenkraft im Einsatz. Die Zweite kann dann Regaltätigkeiten machen und dem Kunden mehr Service bieten."
Frank Horst, Leiter des Forschungsbereichs Inventurdifferenzen und Sicherheit am EHI

Trotzdem gibt es auch an SB-Kassen immer wieder Warteschlangen. Zum Beispiel, weil Kunden die Kassen nicht bedienen können. Da setzt der Handel aber auf den Lerneffekt. Wer an so einer Kasse ein paarmal bezahlt hat, versteht auch irgendwann, wie die funktioniert, sagt Frank Horst. Für problematischer hält er es, dass die Systeme von Markt zu Markt verschieden sind. 

"Ikea oder Real haben diese Systeme seit über zehn Jahren im Einsatz. Ikea macht heute einen Großteil seines Umsatzes über die Selbstbedienungskassen."
Frank Horst, Leiter des Forschungsbereichs Inventurdifferenzen und Sicherheit am EHI

Dass die Selbstbedienungskasse aber die bediente Kasse irgendwann ablösen wird, das glaubt Frank Horst nicht.

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