Für einige Frauen ist es eine Lösung: Abtreibung über das Netz. Beratung und Bestellung gehen online, die Pille kommt per Post. Dieses Angebot nutzen meist Frauen aus Ländern, in denen Abtreibung illegal ist.

Die Organisation Women on Web wird vor allem von Frauen aus Ländern wie Nordirland, Irland oder Polen genutzt, wo Abtreibung illegal oder nur schwer möglich ist. Diese Seite gibt es schon etwas länger. In letzter Zeit nutzen aber immer mehr Amerikanerinnen dieses Angebot - weshalb sich eine Schwesterorganisation gegründet hat, die Aid Access heißt. 

"In den USA befürchten ja derzeit viele, dass sich mit der Ernennung von Brett Kavanaugh als oberstem Richter am Supreme Court viel in Sachen Abtreibung ändern wird. In einigen Bundesstaaten dreht sich der Wind wohl jetzt schon."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova, über die Beweggründe vieler Amerikanerinnen

Das Online-Newsportal Vox schreibt, es gebe in den USA einen Rollback gegen Abtreibung. Seit 2010 hätten konservativ geführte Bundesstaaten über 400 einzelne Gesetze erlassen, die die Möglichkeiten abzutreiben stark einschränken. Deswegen meldeten sich in letzter Zeit verstärkt Frauen aus den USA bei Woman on Web, heißt es.

Interviews per Skype mit einer Ärztin

Ganz so einfach, wie es zunächst klingt, ist es aber dann doch nicht, an die Abtreibungspillen heranzukommen. Die Initiatorin der Webseiten - eine Ärztin aus den Niederlanden - klärt zunächst, ob die notwendigen Voraussetzungen stimmen. Per Skype stellt sie Fragen, beispielsweise zum Schwangerschaftsverlauf und Gesundheitszustand. Erst, nachdem alles geklärt ist, verschreibt sie das Medikament. Einige Fragen werden auf der Webseite aber schon vorab erklärt.

Screenshot der häufigsten Fragen von Frauen, die abtreiben wollen.
Häufige Fragen von Userinnen auf der Seite Women on Web

Das Rezept geht an eine Onlineapotheke in Indien und von dort aus werden die Medikamente verschickt. Für die Frauen kostet das 95 Dollar, allerdings sagt die niederländische Ärztin Ellen Gomperts, finde sie in der Regel auch für Frauen eine Lösung, die das Geld nicht aufbringen können.  

Rezept gibt es nur bis zur 9. Schwangerschaftswoche

Seit es Aid Access gibt, haben bereits 600 amerikanische Frauen dieses Angebot in Anspruch genommen. Ein Rezept gibt es aber nur bis zur neunten Schwangerschaftswoche. Die eingesetzten Medikamente sind die gleichen, die überall auf der Welt bis zur neunten Schwangerschaftswoche zur Abtreibung verwendet werden. Genau diese sind auch von der WHO empfohlen.

Nebenwirkungen sind aber nicht ausgeschlossen, weshalb Ellen Gomperts die Medikamente auch nur unter der Bedingung verschreibt, dass sie in der Nähe einer Klinik eingenommen werden. Hier in Deutschland würden Frauen zum Frauenarzt gehen, wenn sie mit einer Hormontablette abtreiben würden. Die zweite wird dann nach drei Tagen selbstständig zu Hause eingenommen. 

Warum Frauen diesen Service nutzen

Die Frage, die sich stellt - nämlich die Frage nach der moralischen Bewertung dieses Onlineangebots für Abtreibungspillen - muss jede selbst beantworten. Natürlich schließt sich auch die Frage an, warum es überhaupt solche Angebote im Netz gibt, die letztlich Frauen aus ausweglosen Situationen helfen können. 

Das Online-Newsportal Vox schreibt dazu: "Aber es ist wichtig, sich daran zu erinnern, warum Frauen diesen Service nutzen: Weil es ein Zugangsproblem gibt. So lange es das gibt, wird es auch selbst durchgeführte Abtreibungen per Mail geben."

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