In den USA haben Richter ziemlich große Spielräume bei der Gestaltung von Strafen. Doch die kuriosen Urteile haben ihre Schattenseiten.

In den USA muss ein Mann wegen Wilderei für ein Jahr ins Gefängnis. David Berry heißt der Mann und der soll innerhalb von drei Jahren Hunderte Hirsche illegal getötet haben. Die Schädel hat er als Trophäen gesammelt und die restlichen Tierkadaver im Wald liegen lassen.

Ein Jahr Gefängnis reichte dem zuständigen Richter aber nicht – David Berry muss sich zusätzlich mindestens einmal im Monat im Knast auch den Disney-Film "Bambi" ansehen.

Übernachten im Wald

Solche Strafmaßnahmen gibt es in den USA immer wieder. Ein für kreative Strafen sehr bekannter Richter ist Michael Cicconetti aus Ohio. 

  • In einem Fall hatte eine Frau kleine Kätzchen im Wald ausgesetzt. Michael Cicconetti verdonnerte die Frau dann dazu, selbst eine Nacht im Wald zu verbringen – im November, ohne Decke, Essen, Licht oder Regenschutz. Weil das Wetter aber in der Nacht so schlecht wurde, hat der Richter sie um Mitternacht abholen und in eine Zelle stecken lassen.
  • Eine Frau, die 48 Kilometer mit dem Taxi fuhr, ohne zu bezahlen, konnte sich aussuchen, ob sie 60 Tage in den Knast geht oder selbst 48 Kilometer zu Fuß marschiert. Sie ist dann 48 Kilometer zu Fuß marschiert.
  • In einem anderen Fall hat Richter Michael Cicconetto einen Racheakt im Gerichtssaal angeordnet: Das Opfer einer Pfeffersprayattacke durfte sich an der Täterin rächen – mit einer Mischung aus Salz und Wasser. 
  • Ein Gericht in Georgia verpflichtete einen Junkie einen Sarg zu kaufen und in sein Wohnzimmer zu stellen – anstelle von Haft. Der Sarg soll eine ewige Mahnung an die Folgen seiner Drogenabhängigkeit sein.

Fantasievolle Strafen statt Gefängnis

Diese Art von Strafen zur Haftreduktion werden bei Richtern in den USA immer populärer. Sie sind 2004 vom Obersten Gerichtshof dazu ermutigt worden, undogmatisch und phantasievoll zu urteilen. Wenn möglich sollen sie so Gefängnisstrafen vermeiden.

Die Gefängnisse in den USA sind überfüllt und für den Staat kostspielig. Deshalb sollen die Täter mit diesen kreativen und oft auch peinlichen Strafen abgeschreckt werden. Man nennt dieses Verfahren auch Shaming Punishment. In Deutschland gibt es solche kreativen Strafen eher nicht, sagt der Strafverteidiger Udo Vetter.

"Im Erwachsenenstrafrecht kennt man im Wesentlichen nur Geldstrafe und Freiheitsstrafe. Ein ganz klein bisschen sieht es anders aus im Jugendstrafrecht, da haben die Richter so einige Möglichkeiten."
Udo Vetter, Strafverteidiger

Der einfache Grund liegt darin, dass die Menschenwürde in unserem  Rechtssystem einen besonders hohen Stellenwert genießt, sagt Udo Vetter.

"Das mag dort drüben als witzig empfunden werden, in Deutschland wären wir schon fast wieder bei der Frage der Menschenwürde. Diskriminierende Strafen und herabsetzende Strafen würden in Deutschland vor keinem Gericht standhalten."
Udo Vetter, Strafverteidiger

Das Prinzip der kreativen Strafen in den USA hört sich zunächst witzig und kurios an. Es ist durchaus umstritten, vor allem wenn die Strafen bloßstellenden Charakter haben. Ein weiteres Problem ist die Kontrolle dieser Urteile – auch im Fall des Wilderers.

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