Kostenlose Busse und Bahnen allein bringen die Menschen nicht dazu, auf ihr Auto zu verzichten - das sagt eine neue Studie der TU Dortmund. Es muss mehr Anreize geben.

Die Luft in vielen deutschen Großstädten ist schlecht. Ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr könnte das ändern, denken viele. Seit die Bundesregierung im Februar ankündigte, einen Gratis-Nahverkehr in fünf Städten zu testen, wird das Thema noch heftiger diskutiert. Im April hat sich Umweltministerin Svenja Schulze noch einmal für einen "zumindest phasenweisen kostenlosen ÖPNV" ausgesprochen.

Reine Geldverschwendung

Eine Simulationsstudie der TU Dortmund kommt jetzt aber zu dem Ergebnis, dass ein kostenloser ÖPNV allein keinen positiven Effekt für die Umwelt hat - also die CO2-Bilanz nicht verbessert. Die Autoren der Studie sagen sogar, es wäre "eine Verschwendung von Ressourcen", einen solchen kostenlosen ÖPNV einzurichten, berichtet unsere Reporterin Rahel Klein.

"In der Simulation war es so, dass die Personen sich nicht dazu entschieden haben, das Auto stehen zu lassen, obwohl sie kostenlos Bus und Bahn fahren konnten."
Rahel Klein, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Denn: Geld sparen allein ist offenbar nicht Grund genug, so die Studienmacher, um das Auto stehen zu lassen. Heißt: Ich verzichte nicht auf mein Auto, nur weil der Bus plötzlich kostenlos ist. Es muss noch mehr dazu kommen: Die Busse müssten beispielsweise öfter fahren, damit der ÖPNV überhaupt attraktiv wird.

"Wenn man das Auto hat, kann man jeder Zeit losfahren, wohin man will. Aber der ÖPNV, da muss man sich eben nach festen Zeiten richten."

Es kommt auf die Qualität des öffentlichen Nahverkehrs an

Dass Gratis-Tickets allein den Autoverkehr nicht reduzieren, zeigt auch das Beispiel Tallinn: In Estlands Hauptstadt ist der öffentliche Nahverkehr seit fünf Jahren kostenlos. Und die Busse werden häufiger genutzt - doch sind das vor allem Fußgänger oder solche, die ohnehin auf die Öffentlichen setzen und einfach mehr fahren. Die Autofahrer sind nicht umgestiegen. 

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Unsere Reporterin Rahel Klein sagt, es gibt andere Maßnahmen, die laut der Studie zu einem Fahrzeugwechsel bewegen können: Zum Beispiel, wenn das Autofahren schlicht teurer würde, durch höhere Parkgebühren oder Spritpreise. Oder durch mehr Tempolimits. Auch ein Ausbau von Radwegen würde helfen.

"Wenn man die Infrastruktur fürs Fahrrad ausbauen würde, hätte das einen deutlich positiveren Effekt auf die Umweltbilanz als ein kostenloser ÖPNV. "
Rahel Klein, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Gute Alternativen

Dass viele von uns eigentlich gerne umsatteln würden, zeigt auch eine repräsentativen Umfrage mit dem Titel Umweltbewusstsein in Deutschland.

Barbara Hendricks, 2017 noch Umweltministerin, sagte bei deren Präsentation: "Die Menschen sind bereit, auf das Auto zu verzichten, aber sie brauchen gute Alternativen." Die Betonung liegt hierbei auf dem Wort "gut", wie es scheint. Denn nur, wenn der ÖPNV wirklich komfortabel und gut getaktet, das Radnetz sicher und gut ausgebaut ist, wächst die Bereitschaft, das Auto in der Garage zu lassen.

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