Die Idee klingt super: kostenloser ÖPNV. In Köln überlegt man jetzt, die Kurzstrecke kostenlos anzubieten. Momentan  kostet das Ticket 1,90 Euro. Ist das die Lösung für das Verkehrschaos in unseren Städten? Wir haben den Verkehrswissenschaftler Martin Randelhoff gefragt.

Bei der Kurzstrecke werden in Großstädten höchstens wenige Kilometer zurückgelegt. Für Leute, die sonst etwa mit dem Auto zur Arbeit fahren, lohnt sich das eher selten, sagt Verkehrswissenschaftler Martin Randelhoff. In Köln kann man mit dem Kurzticket in der Straßenbahn maximal vier Kilometer fahren. Sicher steigen dafür manche Stadtbewohner schon ins Auto. Die würden vom Kurzticket profitieren. Den Pendlern von außerhalb aber bringe es gar nichts.

Mehr Park-and-Ride-Parkplätze könnten helfen

Gäbe es mehr Park-and-Ride-Parkplätze am Stadtrand, dann könnten Pendler mit dem Kurzticket in die Stadt reinfahren. In ganz Köln zum Beispiel gibt es rund 4000 Park-and-Ride-Parkplätze. Dem stehen Zehntausende Pendler gegenüber. Da müsste die Stadt also erstmal viele Millionen in neue Parkplätze investieren, um zu gucken, ob die Pendler dann bereit sind, umzusteigen. 

"Kostenloser ÖPNV ist momentan nur in kleineren Städten mit Busverkehr sinnvoll."
Martin Randelhoff, Verkehrswissenschaftler

Verkehrsexperte Randelhoff sagt, kostenfreier ÖPNV funktioniere eher in kleineren Städten mit bis zu 100.000 Einwohnern und Busverkehr. Hier könne man damit gut einen Anreiz dafür schaffen, das Auto stehen zu lassen. 

In großen Städten mit Schienenverkehr gibt es zu viel Berufsverkehr und sowieso schon sehr viele Fahrgäste. Der ÖPNV ist in den Großstädten jetzt schon viel zu ausgelastet. Randelhoff findet, dort müsste erstmal in den Ausbau investiert werden.

"Man muss sich schon fragen, sind die 1,90 Euro jetzt das Thema warum Leute nicht auf die Bahn umsteigen, oder sind es eher die zu vollen Bahnen."
Martin Randelhoff, Verkehrswissenschaftler

Vor allem in Großstädten operieren die Nahverkehrs-Systeme bereits am Limit. Bereits kleine Störungen haben dort sofort große Auswirkungen. Darunter leidet die Verlässlichkeit. Pünktlichkeit und Sicherheit ist den Menschen beim Verkehr am wichtigsten. Und deshalb verliere der ÖPNV leider noch oft gegenüber dem Auto – so der Verkehrsexperte. 

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