Italien hat gewählt. Klarer Gewinner ist die Fünf-Sterne-Bewegung. Doch mit einer Regierungsbildung könnte es schwierig werden, denn mit rund ein Drittel der Stimmen kommt die neue Partei nicht auf die erforderliche Regierungsmehrheit.

Nach bisherigem Ergebnis ist die Fünf-Sterne-Bewegung um den Spitzenkandidaten Luigi Di Maio klarer Sieger der Italienwahl für Senat und Abgeordnetenhaus in Italien. Zweiter großer Gewinner ist die fremdenfeindliche Lega-Partei unter dem Vorsitz von Matteo Salvini. Großer Verlierer sind die Sozialdemokraten der Partido Democratico.

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Wofür die Fünf-Sterne-Bewegung genau steht, das ist schwer einzuordnen, sagt unser Italienkorrespondent Jan Christoph Kitzler. Manchmal werde der Partei das Lable Rechtspopulisten aufgepinnt: "Ich finde das nicht richtig treffend", sagt er.

Menschen setzten große Hoffnungen in die Fünf Sterne

Zwar gibt es hinsichtlich der europakritischen Haltung rechte Positionen, aber die Fünf-Sterne-Bewegung wird auch linke Positionen vertreten, sagt Jan Christoph Kitzler: "Zum Beispiel fordern sie ein Grundeinkommen, das vom Staat gefördert wird. Also auch soziale Maßnahmen sind ein großes Thema in der Partei."

"Die Partei versammelt Menschen, die auf der einen Seite völlig frustriert sind, was die etablierten Parteien angeht, aber auf der anderen Seite immer noch glauben, dass Politik etwas lösen kann."
Jan Christoph Kitzler, Italienkorrespondent in Rom

Viele Menschen hoffen, dass die neue Kraft in Italien Veränderungen bringen kann, berichtet Jan Christoph Kitzler. Zwar wolle die Partei regieren, bisher haben die Fünf Sterne allerdings jede Art von Koalition ausgeschlossen. Eine Zusammenarbeit mit anderen Parteien sei bisher weit und breit nicht in Sicht. Doch eine Zusammenarbeit ist notwendig, denn der Bewegung fehlt die Regierungsmehrheit.

Luigi Di Maio - ein erstaunliches politisches Talent

Mit der rechtsextremen Lega Nord, die sich als stärkste Kraft im Mitte-Rechts-Lager ebenfalls als Sieger fühlen darf, teilt die Fünf Sterne ähnliche Positionen - zum Beispiel die Kritik an der EU, oder das Vorhaben, die Märkte zu beruhigen und Italien in stabiles Fahrwasser zu lenken, sagt Jan Christoph Kitzler.

"Ob die beiden Parteien am Ende auch miteinander koalieren, das ist völlig offen und das würde die Fünf-Sterne-Bewegung deutlich nach rechts treiben."
Jan Christoph Kitzler, Italienkorrespondent in Rom

Spitzenkandidat der Fünf-Sterne-Bewegung ist Luigi Di Maio. Ein sehr smarter und mit 31 Jahren sehr junger Politiker, der zwar nicht als sehr gebildet gilt, der aber dennoch ein erstaunliches politisches Talent ist, sagt Jan Christoph Kitzler: "Er begeistert die Menschen wirklich. Das ist jemand, der die Werte der Partei vertritt, der vor allem auch das Erbe des legendären Parteigründers Beppe Grillo weiterführt." Di Maio hält den Laden zusammen, der offenbar so ein bisschen zwischen rechts und links oszilliert.

"Luigi Di Maio sagt, rechts und links, das sind überwundene Kategorien, wir müssen was ganz Neues machen, wir müssen dieses Land mit dieser neuen Bewegung nach vorne bringen."
Jan Christoph Kitzler, Italienkorrespondent in Rom

Doch dafür braucht es einen Koalitionspartner. Mehr Klarheit gibt es vermutlich ab dem 23. März, sagt Jan Christoph Kitzler. Dann werden die Präsidenten des Senats und des Abgeordnetenhauses gewählt und da werde man schon so ein bisschen sehen, wie die Mehrheitsverhältnisse sind.

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Nach diesen ersten Wahlen wird dann der Staatspräsident Sergio Mattarella mit allen im Parlament vertretenen Parteien Sondierungsgespräche führen. Am Ende wird er dann an eine Partei beauftragen, entweder eine Regierung zu sondieren, oder eine Regierung zu bilden, wenn die Mehrheiten bereits klar sind. 

"Aber es kann gut sein, dass die wirkliche Regierung vor Ostern nicht steht und dass es möglicherweise auch mehrere Anläufe braucht."
Jan Christoph Kitzler, Italienkorrespondent in Rom

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