Dänemark setzt schon lange auf erneuerbare Energien und hat seine Windkraftanlagen kräftig ausgebaut. Die Dänen gehen da entschlossener vor, meint Korrespondent Jörn Schaar. Und während wir noch über Standorte diskutieren, wird in Dänemark weiter gebaut.

Mit 300 Milliarden Euro möchte die Europäische Union (EU) unabhängig von Energieimporten aus Russland werden. Besonders wichtig ist dafür auch der Ausbau Erneuerbarer Energien wie Windkraftanlagen. In Deutschland sind im vergangenen Jahr knapp 500 neue Windräder gebaut worden - viel zu wenige, um den Ertrag aus der Windkraft bis zum Ende des Jahrzehnts zu verdoppeln.

Als einer der Vorreiter in Sachen Windkraftanlagen gilt Dänemark. Aktuell kann das Land 60 Prozent seines Strombedarfs aus der Wind- und Solarenergie beziehen. Deutschland kommt gerade mal auf etwas über 40 Prozent.

Entschlossenheit und Konsequenz

In den vergangenen 20 Jahren hat Dänemark den Ausbau der Windkraftanlagen massiv gefördert. Und die Pläne dort gehen noch weiter: Bis 2050 möchte Dänemark aus der Förderung von Öl und Gas aussteigen. Dafür geht "Dänemark viel entschlossener vor als Deutschland", sagt Jörn Schaar, Dlf-Landeskorrespondent für Schleswig-Holstein.

Weniger Bedenken, weniger Hindernisse

Während der Ausbau der Windkraftanlagen in Deutschland unter der alten Bundesregierung stark ins Stoppen geraten ist, baute Dänemark weiter. In den nächsten zehn Jahren möchte das Land zum Beispiel eine Windenergieinsel in der Nordsee bauen, um neben Energie auch grünen Wasserstoff zu erzeugen.

Ähnlich Pläne gibt es auch in Deutschland, die aber gerade nicht vorangehen. Was allerdings auch daran liegt, dass Deutschland im Vergleich zu Dänemark den Natur- und Artenschutz recht wichtig nimmt: "Dänemark nimmt vielleicht auch etwas weniger Rücksicht auf Natur- und Artenschutz. Die bauen halt einfach mal", so Jörn Schaar.

"Generell werden in Dänemark Großprojekte viel geräuschloser abgewickelt als bei uns."
Jörn Schaar, Dlf-Landeskorrespondent für Schleswig-Holstein

Allgemein beobachtet der Dlf-Korrespondent mehr Entschlossenheit und konsequentes Handeln in Dänemark. In Deutschland würde der Fokus stark auf Diskussionen darüber liegen, wo Windkraftanlagen stehen sollen oder eben nicht stehen sollen.

Es wäre mehr machbar in Deutschland

Obwohl es Platz für ausreichend Windräder gäbe. Das zeigte zuletzt ein Gutachten vom Fraunhofer-Institut, das der Bundesverband Windenergie beauftragt hat. Danach sei die Forderung des Bundes an die Länder, mindestens zwei Prozent ihrer Fläche für Windkraft zur Verfügung stellen, machbar. Laut des Gutachtens sei das Ziel umsetzbar und sowohl der Naturschutz als auch die Bedürfnisse von Anwohner*innen können berücksichtigt werden.

Die Däninnen und Dänen würden sich als Einzelperson eher dem Gemeinwohl unterordnen, meint unser Korrespondent. Und es gibt einen weiteren Grund, weshalb der Ausbau der Winkraft dort akzeptierter ist: Die dänische Regierung holt sich die Unterstützung der Anwohner*innen, indem sie steuerfrei Anteile an den Windparks in ihrer Nähe verkauft - und diese so an dem grünen Strom mitverdienen können.

"Nicht jeder in Dänemark mag Windräder, aber man hält sich zurück und ordnet sich unter. Die Dänen nehmen sich als Einzelperson nicht so wichtig"
Jörn Schaar, Dlf-Landeskorrespondent für Schleswig-Holstein

Bis 2030 soll auch Deutschland 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien beziehen, so zumindest der Plan von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Dabei sollen zum Beispiel mehr Offshore-Windkraftanlagen helfen, also Windparks auf See.