An der deutsch-dänischen Grenze wird ein 70 Kilometer langer Zaun gebaut. Dänemark will sich damit vor der Afrikanischen Schweinepest schützen. Von deutscher Seite kommen Bedenken.

Für beide Länder - für Deutschland und auch für Dänemark - ist die Schweinezucht ein enorm wichtiger Wirtschaftszweig. Ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest hätte extrem negative Folgen. Insofern können es auf dänischer Seite viele nachvollziehen und begrüßen es sogar, dass jetzt ein Zaun gebaut wird: 70 Kilometer lang und 1,50 Meter hoch. Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent Johannes Kulms hat sich den Beginn des Baus angeschaut. 

"Vor allem dänische Schweinebauern sagen, dass es wichtig sei, ein Zeichen setzen, um den Markt zu schützen."
Johannes Kulms, Korrespondent in Schleswig-Hollstein

Von deutscher Seite kommen allerdings Bedenken, ob der Wildschweinzaun wirklich etwas bringt. Zum einen gibt es entlang der 70 Kilometer durch Öffnungen für Straßen und Eisenbahnstrecken Lücken, durch die Wildschweine von Deutschland aus auf die andere Seite gelangen könnten. Zum anderen wird die Afrikanische Schweinepest vorwiegend durch Menschen übertragen. Zu diesem Schluss kommt das Friedrich-Löffler-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

"Die größte Übertragungsgefahr geht von infizierten Essensresten aus, die an Tiere verfüttert werden, oder von kontaminierten Speiseresten, die Reisende einfach so in die Natur schmeißen."
Friedrich-Löffler-Institut über die Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest

Das Friedrich-Löffler-Institut ist zwar nicht generell gegen Zäune im Kampf gegen die Schweinepest - sinnvoller sei aber, sie um einen Ausbruchsherd herum zu errichten. In Tschechien beispielsweise habe man mit streng abgeriegelten Zonen gute Erfahrungen gemacht, sagt Johannes Kulms. 

Deutsch-dänischer Zaun: Zeichen der Abgrenzung

Die Menschen, die links und rechts der Grenze wohnen, blicken skeptisch auf den 70 Kilometer langen Zaun. Selbst auf dänischer Seite hört man oft, dass es sich hierbei um Symbolpolitik handle. 

Und das Symbol - der Zaun - ist auch tatsächlich ein fragwürdiges Zeichen; unabhängig von der Intention, die Schweinezucht vor einer übertragbaren Krankheit zu schützen. Die deutsch-dänische Grenze wird künftig entlang ihrer 70 Kilometer 1,50 Meter hoch getrennt sein, was laut Johannes Kulms Assoziationen der Abgrenzung weckt. Was aus seiner Sicht nahezu absurd ist - an dieser Stelle ganz besonders.

"Die deutsch-dänische Grenzregion gilt europaweit als Vorzeigemodell für Aussöhnung nach vielen Kriegen und auch für die Minderheitenpolitik."
Johannes Kulms, Korrespondent in Schleswig-Hollstein

Auch Martin Ellermann hat ein mulmiges Gefühl beim Bau des Zauns und stellt die Symbolwirkung infrage. Er ist Bürgermeister von Harrislee, einer deutschen 11.000-Einwohnergemeinde direkt an der Grenze und sagt: "Die Grenze, die eigentlich zwischen Nord- und Südschleswig nicht mehr existieren soll, wird jetzt optisch wieder ein Stück weit manifestiert." Er fragt sich auch, wann und unter welchen Voraussetzungen der Zaun wieder abgebaut wird. Das habe ihm bisher noch niemand beantworten können.

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