Von München nach Tibet zu laufen, das klingt nach einer verrückten Idee – und nach einer langen Reise. Stephan Meurisch hat sich trotzdem auf den Weg gemacht: Und sein Ziel nach vier Jahren erreicht.

Angefangen hatte für Stephan Meurisch alles im Jahr 2009: Damals war er auf dem Jakobsweg in Spanien unterwegs. Und schon auf dieser Tour hat ihm gut gefallen, auf kleinen Pfaden von einem Dorf zum nächsten zu laufen, fernab von großen Städten. Das Wandern hatte ihn infiziert. Und dann war da der Wunsch, einmal Tibet zu sehen.

Das Problem: Eine Reise nach Tibet ist teuer. Und so reifte dann irgendwann die Idee, sich zu Fuß auf den Weg zu machen. Auch, weil Stephan feststellte: Zwischen seiner Heimatstadt München und Tibet liegen zahlreiche Länder, die er auch noch nicht gesehen hatte.

Arbeiten gehört dazu

Ganz ohne Geld lässt sich aber nicht einmal eine Wanderung nach Tibet bewerkstelligen. Also hat Stephan auf seiner Reise gearbeitet. Er hat Dächer repariert und Oliven gepflückt – im Gegenzug für eine Übernachtung oder etwas zu Essen. Und in größeren Städten bot Stephan an, als Sprachlehrer zu arbeiten.

Alles kein Problem, sagt er, nachdem er Deutschland und Österreich erst einmal hinter sich gelassen hatte. Denn anstatt Zertifikate oder Diplome einzufordern, hätten ihm die meisten seiner Arbeitgeber einfach zehn Minuten über die Schulter geschaut – und ihn dann machen lassen.

"Am meisten war ich von Rumänien überrascht."
Stephan Meurisch, wanderte von München nach Tibet

Vom ersten Tag an habe er fast nur nette Menschen kennengelernt. Er wurde eingeladen und sehr herzlich aufgenommen, wurde oft fast zum Teil der Familie. Am meisten überrascht war Stephan Meurisch auf seinem langen Weg von Rumänien. Weil im Vorfeld so oft gewarnt worden war: Dort werde er ausgeraubt und von wilden Hunden angefallen, hörte er oft. Vor Ort waren dann alle Ängste völlig unbegründet, sagt Stephan.

Und noch eine Erfahrung war sehr interessant: Auf seiner Reise ließen viele seiner Gastgeber kein gutes Haar am Nachbarland. Rumänen warnten vor Bulgaren, dort ermahnten sie Stephan, sich vor Türken in Acht zu nehmen und die ließen wiederum kein gutes Haar an Georgiern.

Als Wanderer durch einen Eisenbahntunnel

Besonders gut hat es Stephan auch in der Türkei gefallen. Anderthalb Jahre verbrachte er dort insgesamt. Und er gibt zu: Es war nicht immer einfach, sich nach drei oder vier Tagen von einer besonders herzlichen Familie zu verabschieden. Und in der Türkei war es auch, wo er an natürliche Grenzen stieß.

Denn was Stephan vorher nicht wusste: Es ist verboten, die Bosporus-Brücke zu Fuß zu überqueren. Also musste er einen anderen Weg suchen. Am Ende lief er unter dem Bosporus hindurch – durch den Marmaray-Tunnel, der damals noch für Züge gesperrt war – und den Stephan als erster Tourist zu Fuß durchqueren durfte.

Zwölf Nächte im Zelt – in vier Jahren

Seine Habseligkeiten hat Stephan auf seiner vierjährigen Reise in einem Rucksack getragen. Und er hatte auch ein Zelt dabei: Ganze zwölfmal in vier Jahren musste er es aufbauen. Weil er oft der erste Tourist war, der sich in ein Dorf verlaufen hatte – und es für die Bewohner darum selbstverständlich war, Stephan in ihrem Heim übernachten zu lassen.

"Ich habe mir ausgemalt: Wenn ich jeden Tag 16 Kilometer laufe, müsste ich in zwei Jahren in Tibet ankommen – das war eine total bescheuerte Idee."
Stephan Meurisch, wanderte von München nach Tibet

Seinen Zeitplan, um ans Ziel zu gelangen, konnte Stephan allerdings nicht einhalten. 16 Kilometer wollte er am Tag bewältigen – und so in zwei Jahren in Tibet ankommen. Am Ende dauerte seine Reise vier Jahre.

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