Gibt es keine Ladesäulen, ist der Kaufanreiz für ein Elektroauto niedrig. Fahren wenig Elektroautos, stellen Betreiber keine Ladesäulen auf. Ein Teufelskreis, scheinbar ohne Weg nach vorne.

Der Umstieg auf Elektromobilität in Deutschland hat bis hierhin eine traurige Bilanz. Immer noch fahren nur wenige Autos mit Elektroantrieb. Aber woran liegt das? 

Hier schieben sich Autobauer und Energieversorger munter den Schwarzen Peter hin und her. Die Autobauer sagen: Warum sollen wir E-Autos bauen, wenn es keine Lade-Infrastruktur dafür gibt. Die Energieversorger sagen: Wir bauen keine Ladesäulen, weil sich das ohne E-Autos nicht lohnt. Und irgendwo dazwischen ist noch die Politik, die mit Prämien lockt - oder vielmehr: locken will. 

Wir dröseln dieses Dilemma zusammen mit Deutschlandfunk-Wirtschaftsjournalistin Katja Scherer auf. 

25 Prozent mehr Ladesäulen als vor einem Jahr

Immerhin - es werden mehr. Mehr Ladesäulen. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft gab es Mitte dieses Jahres in Deutschland 25 Prozent mehr Ladesäulen als noch ein Jahr zuvor. Aktuell sind das rund 13.500 öffentliche oder halböffentliche Ladestationen beispielsweise bei Unternehmen, Supermärkten oder Parkhausbetreibern. 

Ob wir unser E-Auto aber unterwegs wirklich laden können, hängt stark davon ab, wo wir wohnen. Wirtschaftsjournalistin Katja Scherer hat sich die interaktive Onlinekarte der Bundesnetzagentur angesehen und stellt fest: In der Stadt funktioniert es - aber gerade in ländlichen Regionen brauchen wir für unsere Elektroautos eine Ladestation zu Hause.

"In kleineren Städten und ländlichen Regionen gibt es teils noch gar keine öffentlichen Ladesäulen."
Katja Scherer, Wirtschaftsjournalistin für den Deutschlandfunk

Aber eine Großstadt ist auch kein Garant für ein gutes Ladestationsnetz. In Hamburg und Stuttgart geht es, sagt Katja Scherer, in Köln und Frankfurt sieht es nicht so gut aus. 

Unterschiedliche Bezahlsysteme machen es E-Auto-Fahrern schwer

Für Fahrer von E-Autos kommt aber noch ein zweites Problem hinzu, das den Alltag extrem erschwert: Die Ladesäulen haben von Stadt zu Stadt meist verschiedene Anbieter und die haben unterschiedliche Bezahlsysteme. Was das in der Praxis heißt, beschreibt E-Auto-Fahrer Lars Bobach aus Leverkusen:  

"Wenn ich nach Düsseldorf musste, hatte ich eine Karte der Stadtwerke Düsseldorf - bin ich nach Köln gefahren, hatte ich eine von Rhein-Energie. Ich konnte da nicht einfach meine EC-Karte vorhalten, man musste dann diese speziellen Karten haben."
Lars Bobach aus Leverkusen über seine Erfahrungen als E-Auto_Fahrer mit dem Bezahlen an den Ladestationen

Ein einheitliches System wäre also wünschenswert - und würde den Alltag vieler Fahrer von Elektroautos erheblich erleichtern. Aber noch schöner wäre es, wenn es mehr davon gäbe und nicht ständig nach Ladesäulen-Standorten im Netz geschaut werden müsste. 

Ladesäulen zu installieren ist Zukunftsinvestition

Zwar bezuschussen Bund und Länder den Aufbau von Ladesäulen, trotzdem ist das laut Stefan Kapferer vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft für viele Betreiber (Energieversorger zum Beispiel) bisher eine reine Zukunftsinvestition. 

Also sind wir wieder an dem Punkt: Es braucht einfach noch mehr E-Auto-Fahrer, die die Säulen nutzen. Und um das zu erreichen, braucht es nicht nur Förderprogramme, sondern auch neue Bauvorschriften sagt Stefan Kapferer. Für Mieter, Firmen und auch Wohnungseigentümer in Mehrfamilienhäusern müsse es einfacher werden, sich einen privaten Ladeanschluss legen zu lassen.

"Die meisten Menschen nutzen ihre E-Autos, um von zu Hause zum Arbeitsplatz zu fahren. Da stehen die Autos dann lange. Da müsste es die Chance geben, eine Ladeinfrastruktur auch zu nutzen."
Stefan Kapferer, Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft

Im Ausland funktioniert der Ausbau der Elektromobilität besser. Zwei gute Beispiele sind Norwegen und China. 

Norwegen und China: Zwei gute Beispiele für die Förderung von Elektromobilität

In Norwegen fährt inzwischen fast jedes zweite neu zugelassene Auto zumindest teilweise elektrisch, sagt Katja Scherer. Der Grund sei eine "Zuckerbrot-und-Peitsche-Politik", wie sie es nennt. Denn in Norwegen gibt es fast sechs Mal so viele öffentliche Ladestationen pro Einwohner wie in Deutschland, E-Autos werden deutlich weniger besteuert, müssen weniger Parkgebühren zahlen und dürfen Busspuren mitbenutzen. Auf der anderen Seite plant die Regierung ab 2025, gar keine fossil betriebenen Fahrzeuge mehr zuzulassen.

In China gibt es ebenfalls Steuererleichterungen für E-Autos, gleichzeitig hat der chinesische Staat Anfang des Jahres den Bau von über 500 chinesischen Automodellen verboten, weil sie zu viel Benzin schlucken. Und ab nächstem Jahr muss fast jedes vierte in China gebaute Auto elektrisch sein. 

Das zeigt: Der Aufbau von Ladesäulen ist wichtig, aber um den Wandel zur E-Mobilität richtig voranzubringen, braucht es auch neue Gesetze. 

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