In einer Befragung haben Forscher festgestellt, dass Mütter ihre Töchter eher bevorzugen und Väter eher ihre Söhne. Aber nur ein bisschen.

Eigentlich wollten die Forscher etwas ganz anderes untersuchen, nämlich die Frage, ob die Bereitschaft von Eltern in ihre Söhne oder ihre Töchter zu investieren abhängig von der wirtschaftlichen Situation ist. Das basiert auf einer alten Annahme, dass wohlhabende Eltern eher mehr in ihre Söhne investieren, was Zeit, Geld, Bildungsangebote und Liebe betrifft. Begründung: Söhne können mehr Nachwuchs produzieren. Bei armen Eltern sei es der Annahme zufolge genau umgekehrt. 

Dazu hatten die Forscher Erwachsene Probanden online über Amazon Mechanical Turk rekrutiert. Diese nicht unumstrittene Plattform wird von Wissenschaftlern gerne genutzt, um Tests und Umfragen zu machen. 

"Im Ergebnis zeigte sich: Der Zusammenhang von sozioökonomischem Status und Präferenz der Eltern für Söhne oder Töchter ist statistisch nicht signifikant."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk Nova

Die Annahme der Forscher konnte also anhand dieser Befragungen nicht bestätigt werden. Den Wissenschaftlern ist aber etwas anderes aufgefallen: Mütter investieren eher mehr Liebe, Zeit und Geld in ihre Töchter, Väter mehr in ihre Söhne. Es scheint also eine Geschlechterpräferenz zu geben. Diese sei aber wirklich nur marginal feststellbar und nicht signifikant. 

Geschlechterpräferenz hängt am Geld

Eine Erklärung für diese leicht unterschiedlichen Vorlieben zu finden, fällt den Forschern schwer. Aber sie haben einen Ansatz, der indirekt mit der ursprünglichen These zusammenhängt. Es geht wieder um das Geld. Die Forscher gehen davon aus, dass das Geld in Familien bei Männern und Frauen ungleich verteilt ist und dass Männer meist mehr Kontrolle über einen größeren Teil des Haushaltseinkommens haben als Frauen. Also - so die Schlussfolgerung - sind Männer wohlhabender und eher bereit, in ihre Söhne zu investieren.

Keine Rücksicht auf Kultur

Richtig glücklich seien die Forscher mit dieser Erklärung aber auch nicht, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Veronika von Borries. "Vor allem weil all diese biologistischen Erklärungen immer weglassen, welchen Einfluss Kultur, also Erziehung und Gesellschaft auf uns haben und wie unterschiedlich und vielfältig das ist."

Positiv: Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass sich gerade in westlichen Gesellschaften die Vorliebe für das eine oder das andere Geschlecht langfristig auflösen könnte, weil es sich schlicht nicht lohnt, noch einen Unterschied zwischen Jungs und Mädchen zu machen.

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