Bundesministerin für Ernährung Julia Klöckner hat mit Lebensmittelherstellern konkrete Zielvereinbarungen getroffen, um Zucker, Salz und Fett in Fertigprodukten zu verringern. Die Selbstverpflichtung ist freiwillig. Ist das effektiv?

Bis 2025 sollen die Fertigprodukte wie Tiefkühlpizza oder Softdrinks wie Cola weniger Zucker, Salz und Fett enthalten als jetzt. Das hat die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, mit der Lebensmittelbranche in der "Reduktions- und Innovationsstrategie" vereinbart. Über die Strategie wird auch das Kabinett beraten.

Konkrete Zielvereinbarungen für weniger Zucker, Salz und Fett

Wie die Bild-Zeitung berichtet, hat die Ministerin mit den Lebensmittelherstellern vereinbart, dass der Zuckergehalt in Softdrinks um 15 Prozent sinken soll. Eine Tiefkühlpizza soll in Zukunft nur noch 1,25 Gramm Salz pro 100 Gramm Pizza enthalten. Unter anderem verpflichtet sich der zuständige Verband, den Zuckergehalt in Kinder-Frühstückscerealien um mindestens 20 Prozent zu senken.

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Im Herbst 2019 soll überprüft werden, wie ernst es den Lebensmittelherstellern ist. "Wenn die Wirtschaft nicht mitmacht, werden wir weitere Maßnahmen prüfen", hat die Ministerin gesagt. Die Strategie soll Anfang 2019 starten. Vorgesehen sei auch ein Monitoring und eine Internetplattform, um für uns die schrittweise Änderung der Rezepturen transparent zu machen. Weiterer Bestandteil der Strategie ist die Verkleinerung der Portionsgrößen.

Einige Hersteller wie Rewe oder Edeka haben bereits im Sommer erklärt, dass sie bei ihren Eigenmarken den Zucker- und Salzgehalte senken wollen. 

Vereinbarte Werte überzeugen nicht

Derzeit hat eine durchschnittliche Tiefkühlpizza mit Salami einen Salzgehalt von 1,5 Gramm pro 100 Gramm Pizza. Zielvereinbarung sind 1,25 Gramm pro 100 Gramm Pizza. Klingt erst mal nach einem kleinen Schritt. Denn: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät, dass ein Erwachsener höchsten 6 Gramm Salz pro Tag zu sich nehmen soll, was mit einer ganzen Pizza fast erreicht ist.

"Die neuen Vereinbarungen wirken eher symbolisch."
Andi Schmitt, Deutschlandfunk Nova

Ein halber Liter Cola hat einen Zuckergehalt von 54 Gramm. Wird der um 15 Prozent gesenkt, sind immer noch 46 Gramm Zucker enthalten. Die Weltgesundheitsorganisation rät, man solle nicht mehr als 50 Gramm Zucker pro Tag essen, besser wären nur 25 Gramm.

Lebensmittelampel oder Zuckersteuer viel effektiver

Ernährungsexperten halten die Lebensmittelampel für eine effektivere Maßnahme. Ist viel Zucker, Salz oder Fett enthalten, steht die Ampel auf rot. Grün signalisiert: Nährwerte sind in einem gesunden Bereich. Studien zeigen, dass Verbraucher ihr Kaufverhalten verändern, wenn auf der Verpackung eines Produkts die Ampel zu sehen ist.

Eine Zuckersteuer hat einen ähnlichen Effekt. Deshalb rät der Foodwatch-Sprecher Martin Rücker: Wenn ein Produkt beispielsweise viel Zucker enthält, sollte der Hersteller eine Abgabe bezahlen. Damit hätten sie einen Anreiz, weniger Zucker beizumischen.

"Wer viel Zucker beimischt, soll eine Abgabe bezahlen als Anreiz dafür, weniger Zucker in die Rezepturen zu mischen."
Martin Rücker, Foodwatch-Sprecher

Diese Zuckersteuer gibt es in rund 30 Ländern - unter anderem in Großbritannien oder Mexiko. In Mexiko hat sie dazu geführt, dass weniger Softdrinks verkauft wurden. In der US-Stadt Berkeley ist nach Einführung der Zuckersteuer der Wasserabsatz um 60 Prozent gestiegen.

Gesundheitsproblem Übergewicht

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert die Ministerin, weil sie keine strengeren Maßnahmen ergreift. In Deutschland gelten laut dem Ministerium 47 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und 15 Prozent der Kinder als übergewichtig. Zu viel Zucker, Fett und Salz erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

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