Auf viele Verpackungen von Lebensmitteln und anderen Produkten könnten wir gut verzichten - sie sind aber praktisch. Ein Lieferdienst-Pilotprojekt testet ein System mit Mehrweg-Verpackungen.

Wenn wir beim Einkaufen mal wieder die Nachhaltigkeitsbrille aufhaben, fällt uns auf, wie viele Verpackungen von Lebensmitteln oder anderen Produkten unnötig sind. Und wir erinnern uns vielleicht an unseren Vorsatz, öfter im Unverpacktladen einzukaufen, oder im Bio-Supermarkt. Allein: Es fehlt die Zeit. Oft ist ja auch Planung das Problem und natürlich des Geldes.  

Lieferdienst verzichtet auf Verpackungsmüll

In einem Pilotprojekt soll jetzt getestet werden, ob das nicht alles zusammengeht: also, unser vollgepackter Alltag und nachhaltiges Einkaufen. Über das Recyclingunternehmen Terracycle mit dem Mehrwegverpackunsgsystem Loop bekommen wir Produkte, die wir sonst im Laden einkaufen würden, nach Hause geliefert. Auf unnötigen Verpackungsmüll wird dabei verzichtet. Die Produkte kommen aus einem Onlineshop in Mehrwegverpackungen zu uns, was uns als Konsumenten viel Stress erspart, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Kerstin Ruskowski.  

"Das heißt, ich muss nicht mit meinem eigenen Glas in den Unverpacktladen laufen, und da meine Sachen selber abfüllen."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk Nova

Laut Tom Szaky, Chef und Gründer des amerikanischen Recyclingunternehmens Terracycle, ist die Idee hinter Loop, dass die Verpackungen zum einen langlebig sind. Für denn Verbraucher sollen sie aber genau so einfach zu handhaben sein, wie Wegwerfverpackungen.  

Shampoo in der Aluminiumflasche

Konkret bedeutet das: Wenn wir Shampoo bestellen, kommt das in einer Aluminiumflasche mit Spenderaufsatz, Eiscreme kommt im Edelstahlcontainer mit Schraubaufsatz und Mundwasser in einer Glasflasche mit Edelstahl-Schraubverschluss. 

Auch das Verpacken zum Transport soll vermieden werden. Unsere Einkäufe sollen uns in einer wiederverwertbaren Tasche geliefert werden. "Ein bisschen so, wie diese Thermo-Taschen vom Pizza-Lieferdienst", sagt Kerstin Ruskowski. 

Leere Verpackungen werden abgeholt

Und wenn die Mehrwegverpackungen dann wieder leer sind, können wir sie in diese wiederverwertbaren Taschen packen und Loop holt sie bei uns zu Hause ab. Damit haben wir also auch keinen Stress. 

Klingt für Kerstin Ruskowski alles nach einer guten Idee und Lösung. Für Deutschlandfunk Nova hat sie sich in der Serie "Ohne Müll - Kerstin will es schaffen" mit Müllvermeidung in allen Varianten auseinandergesetzt. 

Sie gibt zu, mit dem Fahrrad in den Unverpacktladen zu fahren, wäre ein bisschen nachhaltiger. Die Erfahrung zeige aber, dass die Wenigsten das konsequent hinkriegen. Einfach, weil es Zeit kostet und umständlich ist. Die Einmachgläser und Tupperdosen nicht hin und her schleppen zu müssen, empfindet sie auch als Vorteil. Das Einzige, was man für sich testen müsse, ist, ob sich die Liefertermine gut timen lassen. 

Phase zwei: Mehrwegverpackungen in Supermärkten

Bis Loop bei uns in Deutschland an den Start geht, dauert es noch etwas. Ende 2019 oder Anfang 2020 soll es losgehen. Erst einmal läuft ein Pilotprojekt in New York und Paris. 

Aber es ist auch schon Phase zwei geplant. Irgendwann soll es die Mehrwegverpackungen auch im Sortiment von Supermärkten geben. Unter anderem die Firmen Unilever und Nestlé machen mit. Die leeren Behälter sollen Verbraucher dann in Containern abgeben können. Die werden dann vom Unternehmen Terracycle professionell gereinigt und wiederverwertet. 

Zur langfristigen Planung in Sachen Müllvermeidung gehört auch, Produkte, die sonst auf dem Restmüll landen, zu recyceln. Offenbar trauen sich die Macher auch zu, Windeln und Damenbinden zu recyceln. Mit Kaugummis, Gummihandschuhen und Kaffeekapseln habe man schon erste Erfolge erzielt, heißt es. 

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