Rund 7000 Sprachen gibt es weltweit. Aber wozu? Und warum spricht man mancherorts in jedem Dorf eine andere Sprache? Wir haben einen Sprachwissenschaftler gefragt.

Rund 7000 Sprachen gibt es weltweit - mein Gott, wie kompliziert! Überall fremde Wörter und Laute. Und wie mühsam wir uns durch ferne Länder gestikulieren, wenn nicht Englisch gesprochen wird. Denken wir. Anders sieht das Sprachwissenschaftler Johann-Mattis List. Er liebt Sprache und Sprachen, klar. Und er erforscht sie. Er sagt: Die meisten Menschen sprechen mehrere Sprachen.

"Auf der Welt ist Mehrsprachigkeit eher die Regel als die Ausnahme: In den meisten Fällen sprechen die Leute einfach zwei, drei, vier verschiedene Sprachen. Wenn man das früh genug lernt, ist es auch kein Problem, damit zu kommunizieren."
Johann-Mattis List, Linguist am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte

Wichtig sei es aber, dass wir eine Sprache haben, in der wir miteinander sprechen können - neben der Sprache, die wir in unserem Land, Dorf oder in unserer Gruppe sprechen.

Vanuatu - unglaubliche Sprachvielfalt

So läuft das auch auf der Insel Malakula. Sie liegt im Südpazifik und gehört zum Inselgebiet von Vanuatu. Auf der Insel betreiben die Sprachwissenschaftler des Max-Planck-Instituts Feldforschung, denn dort gibt es 36 Sprachen bei rund 20.000 Einwohnern. "So viele Sprachen auf so einem engen Raum konnten wir bisher fast nirgendwo anders auf der Welt dokumentieren."

"Wenn wir das genau erforschen, finden wir vielleicht einen oder mehrere Faktoren, die Sprachentwicklung, Sprachdiversifizierung vorantreiben."
Johann-Mattis List, Linguist am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte

Auf Malakula kennen die Inselbewohner die Sprache ihres Dorfs, ihrer Umgebung. Sie haben aber eine zusätzliche, in der sie sich mit Leuten unterhalten können, die von weiter her kommen. 

Rund 7000 Sprachen weltweit

Überall auf der Welt gibt es Regionen, wo eine große Sprachvielfalt herrscht, sagt Johann-Mattis List - im Amazonasgebiet etwa. Aber es gibt auch Regionen, in denen die Vielfalt weniger groß ist: In ganz Russland etwa gibt es "nur" rund 100 verschiedene Sprachen

Im Laufe der Zeit hat sich Englisch zur Weltverkehrssprache Nummer Eins entwickelt. Auch Spanisch oder Französisch sind Weltsprachen, in denen man sich heute weit über ihr eigentliches Sprachgebiet hinaus verständigen kann.

Politik oder Religion haben im Laufe der Geschichte immer eine Rolle bei der Ausbreitung von Sprachen gespielt: "Der Kolonialismus hat dazu geführt, dass die indogermanischen Sprachen in Europa ganz weit oben stehen", sagt Johann-Mattis List. Umgekehrt haben sich in abgeschiedenen Bergregionen teils archaische Sprachformen länger erhalten, weil sie sich dort weniger mit anderen Menschen und anderen Sprachen vermischen konnten.

"Die Muttersprache ist etwas besonderes, für persönliche Kommunikation und vielleicht auch für Poesie und solche Sachen."
Johann-Mattis List, Linguist am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte

Als Linguist am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte versucht Johann-Mattis List mit seinen Kollegen Kontakt zu Sprachwissenschaftlern auf der ganzen Welt zu halten - um Antworten auf die großen Fragen der Sprachwissenschaft zu finden. "Der Großteil der Sprachen auf der Welt ist noch komplett undokumentiert", sagt er. Alle Daten werden in Jena deshalb digitalisiert und in ein einheitliches Format gebracht.

Und in der Feldforschung gibt es auch immer wieder neue Entdeckungen: So wächst die Zahl der dokumentierten Sprachen langsam. Auf ganz Vanuatu etwa sind inzwischen etwa 120 Sprachen erfasst. Vor einiger Zeit lag die Zahl noch bei 106.

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