Jeder zweite von uns hat eine Parodontitis - jeder siebte eine schwere Form. Das Gemeine daran: sie schleicht sich heimlich ein und ist danach extrem anhänglich.

Karies ist der Zahnfeind Nummer Eins. Gleich danach kommt aber eine ebenso unschöne Sache: Die Parodontitis. Bei der Parodontitis bildet sich wegen der Entzündung das Zahnfleisch zurück und der Zahn hat keinen Halt mehr. 

Viele gehen laut einer Untersuchung der Barmer Krankenkasse zu selten oder zu spät zum Arzt - mit der Folge, dass die Zähne dann trotz Behandlung doch noch ausfallen.

Bei uns leidet jeder Siebte an einer sogenannten schweren Form der Parodontitis - und jeder Zweite an der moderaten Form, sagt Henrik Dommisch, Leiter des Centrums Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Berliner Charité.

"Der Unterschied zwischen der schweren und moderaten Form besteht darin, wie viel von unserem Zahnhalteapparat bereits zerstört ist."
Sebastian Rams, Deutschlandfunk Nova

Krankheit verursacht selten Schmerzen

Gemein ist die Parodontitis vor allem deshalb, weil sie relativ lange unbemerkt beleiben kann - darum sprechen die Ärzte auch von einer "stillen Erkrankung".

Erste Anzeichen sind in der Regel eine Zahnfleischentzündung und Zahnfleischbluten. Aber auch Schwellungen im Mundraum und Mundgeruch sind weitere Indizien für eine beginnende Parodontitis.

"Deswegen ist es ja auch so wichtig, jedes Jahr einmal beim Zahnarzt aufzuschlagen, weil der die Parodontitis frühzeitig erkennen kann."
Sebastian Rams, Deutschlandfunk Nova

Immer schön putzen

Ein ganz entscheidender Punkt bei der Parodontitis ist die Mundhygiene: Wer da schludert und nur nachlässig seine Zähne schrubbt, der riskiert eine ungesunde Ansammlung von Bakterien. Und die bilden dann gefährliche Beläge, das Zahnfleisch entzündet sich und die Entzündung wandert bis in den Kieferknochen. 

Der medizinische Nutzen von Zahnseide ist übrigens stark umstritten. Zumindest deuten Studien darauf hin, dass sie gar keinen Effekt hat.

Risikogruppen und Raucher

"Wir wissen, dass Parodontitis das Risiko für Diabetes erhöht, gleichzeitig ein vorhandener Diabetes ein Risikofaktor für Parodontitis ist."
Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer

Weil es sich bei der Parodontitis um eine bakterielle Erkrankung handelt, kann es passieren, dass die Bakterien aus der Mundhöhle über die Blutbahn auch in andere Bereiche des menschlichen Körpers gelangen und zum Beispiel einen Herzinfarkt wahrscheinlicher machen.

Und wie so oft ist Rauchen auch in diesem Fall eine ziemlich schlechte Idee, denn Raucher leiden vier bis sechs Mal öfter unter einer Parodontitis.

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