In den USA sollen demnächst auch Restaurants und Lieferdienste die Kalorien für ihr Essen angeben. Aber ist das wirklich sinnvoll und machbar?

Eine Salamipizza hat 837 Kalorien. Eine mit Thunfisch hat 840. Wie sieht es nun mit einer Salami-Thunfisch-Pizza aus? Was klingt, wie eine Mathe-Textaufgabe, kommt auf Restaurants und Lieferservices in den USA zu. Ab Mai 2018 müssen sie für jedes ihrer Lebensmittel ganz genau angeben, wie viele Kalorien drin sind.

Hintergrund: Im Juni kam eine Studie heraus, an der ein internationales Forscherteam gearbeitet hat. Sie haben festgestellt, dass es weltweit mehr als zwei Milliarden übergewichtige Menschen gibt und dass diese Zahl wächst. Helmut Heseker, Professor für Ernährungswissenschaft an der Uni Paderborn, erklärt, woran es liegt: Einerseits ein Überfluss an energiereicher Nahrung - kombiniert mit steinzeitlichem Vorrats-Ess-Verhalten.

"Unser Körper wartet jetzt seit über 150 Jahren auf die nächste Hungersnot, die aber partout nicht kommen will."
Helmut Heseker, Professor für Ernährungswissenschaft an der Uni Paderborn

Helmut Heseker ist kein Zyniker und niemand wünscht sich eine Hungersnot, aber die meisten von uns essen einfach zu viel. Und da sei die Kalorien-Label-Methode, die die Food-and-Drug-Administration für die USA ab Mai anordnen will, auf jeden Fall ein Anfang.

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Wenn wir die Pizza als Beispiel nehmen, dann brauchen wie im Prinzip nur das Rezept und können aus Referenzwerten für Weizenmehl, Tomatensoße, Käse oder Salami berechnen, wie viele Kalorien pro hundert Gramm im Essen stecken. 

Auch Extrawünsche - wie, Prosciutto ohne Kochschinken, aber dafür mit doppelt Käse - ließen sich so für den Lieferdienst leicht berechnen. Und für den Einzelnen hieße es, dass er die Pizza auswählen kann, die zum aktuellen Energieverbrauch passt.

"Die Meisten von uns haben überwiegend sitzende Tätigkeiten und tun sicherlich gut daran, eine Pizza auszusuchen, mit einer geringeren Energiedichte."
Helmut Heseker, Professor für Ernährungswissenschaft an der Uni Paderborn

Weil Essen ja mehr ist, als ein reiner Brennwert, wurde immer mal wieder vorgeschlagen, Lebensmittel mit der Ampel zu versehen, also mehr auf die spezifische Zusammensetzung einzugehen. Helmut Heseker hält nichts davon: "Bei der Ampel ist ja immer das Problem, dass man dort einen Umschlagpunkt wählen muss, wo geht es von Gelb zu Rot oder von Grün zu Gelb. Reines Pflanzenöl gehört natürlich zu einer ausgewogenen Ernährung dazu, hätte aber demnach, mit seinem Fettanteil, ein Rot verdient."

Besser wäre es, die Energiedichte zu berechnen

Neben Kalorienzählen und Ampel gibt es aber auch noch etwas anderes. Der Ernährungswissenschaftler schlägt die Berechnung der Energiedichte vor - das ist die Kalorienanzahl pro Hundert Gramm, geteilt durch hundert. 

Diese Berechnung hat zwei Vorteile: Viele Lebensmittelhersteller machen Kalorienangaben pro Portion, wählen die Portion unrealistisch klein und täuschen so einen niedrigen Wert vor. Das ist beim Energiedichte-Wert von vorneherein angenehmer: Es kommen dabei ausschließlich Werte im einstelligen Bereich heraus.

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