Angst ist eigentlich ein normales und nützliches Gefühl. Es schützt uns vor Gefahren und hilft uns, im Notfall Kräfte zu mobilisieren. Wenn die Angst aber überhandnimmt, kann sie unser Leben massiv beeinträchtigen. Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Angststörungen. So wie Franziska Seyboldt. In ihrem Buch beschreibt sie, wie sie gelernt hat, mit ihrer Angst zu leben. 

Wann genau es anfing, kann Franziska nicht mehr so genau sagen. Mit zwölf Jahren jedenfalls fiel sie bei einem Arztbesuch in Ohnmacht. Danach eroberte die Angst immer mehr Bereiche ihres Lebens: Referate in der Schule, Kinobesuche, Fahrten mit der U-Bahn - alle möglichen Situationen konnten Angstattacken auslösen. Dazu kam die Angst vor der Angst.

Ein jahrelanger Kampf

Trotzdem ging Franziska Seyboldt ihren Weg: Abi, Studium, Freund, erster Job als Redakteurin einer Tageszeitung. Familie und Freunde wussten Bescheid, aber vor Kollegen und Bekannten verbarg Franziska ihr Leiden. Mit Erfolg. 

Mit 24 Jahren aber musste sie sich dann eingestehen, dass sie Hilfe brauchte. Bei einer Redaktionskonferenz gab sie einer Panik-Attacke nach und floh unter einem Vorwand. Am nächsten Tag war alles noch schlimmer. 

"Sobald man anfängt, irgendeine Situation zu vermeiden, wird es immer schwieriger, jemals in die Situation zurückzukehren."
Franziska Seyboldt, Angstpatientin

Das war für sie der Wendepunkt, erzählt sie. Die Angst schränkte sie zu sehr in ihrem Leben ein, sie suchte sich einen Therapeuten.

Mehr als 10 Mio. Menschen in Deutschland haben Angststörungen

Franziska Seyboldt ist eine von vielen Menschen, denen es so geht: Laut Robert-Koch-Institut leiden über 15 Prozent der 18- bis 79-Jährigen in Deutschland an Angststörungen, das sind über zehn Millionen Menschen. Frauen sind demnach doppelt so häufig betroffen wie Männer, wobei es daran auch Zweifel gibt. Denn das Thema Angst ist nach wie vor ein Tabu, gilt als Schwäche. Viele Menschen - insbesondere Männer - gestehen sich die Krankheit nicht ein, suchen sich zu spät Hilfe. Das verschlimmert ihre Situation, denn unbehandelt neigen Angststörungen dazu, chronisch zu werden. Wie bei Franziska. 

Portrait von Franziska Seyboldt
© Linda Rosa Saal
Franziska Seyboldt hat ein Buch über das Leben mit ihrer Angststörung geschrieben.

Ihre Angstattacken fühlen sich an wie Schreckmomente, die nicht aufhören, erklärt sie. Wenn wir etwa einen lauten Knall hören oder einen Unfall beobachten, dann wird unser Herzschlag schneller, die Muskeln spannen sich an, wir atmen schneller, wir haben kalten Schweiß. Das ist normal und geht schnell vorüber. Bei Franziska können solche Attacken aus heiterem Himmel kommen und minutenlang andauern. "Das ist wahnsinnig unangenehm", sagt sie, und raubt unglaublich viel Energie.

"Es gibt kein Patentrezept. Das ist ein langer Prozess mit Therapie und viel Sich-mit-sich-selbst-auseinandersetzen."
Franziska Seyboldt, Journalistin

Warum die Angst bei manchen Menschen außer Kontrolle gerät, ist nicht eindeutig geklärt. Vermutet wird, dass mehrere Faktoren zusammen kommen müssen. So zählen genetische Faktoren, traumatisierende Erlebnisse oder Erziehung zu möglichen Ursachen. Franziska glaubt, dass bei ihr vor allem Stress eine zentrale Rolle spielte. Stress, den sie sich selber gemacht habe. 

Den versucht sie zu reduzieren. Meditation hilft auch, berichtet sie. Allerdings hat sie noch Mühe, die in ihren Alttag zu integrieren. Auch Sport wirke, weil damit Energie abgebaut wird. 

"Mir hat es geholfen, mich mit der Angst anzufreunden."
Franziska Seyboldt, Angstpatientin

Es gibt aber kein Patentrezept, sagt Franziska. Für sie war das Wichtigste, ihre Angststörung zu akzeptieren. Sie weiß, dass sie wohl nie ganz weg sein wird, hat sich damit aber abgefunden. Viele ihrer Ängste sind in der letzten Zeit schwächer geworden, erzählt sie. U-Bahn-Fahren zum Beispiel ist kaum noch ein Problem. 

Ihre Angststörung und ihren Umgang damit beschreibt sie in ihrem Buch "Rattatatam, mein Herz. Vom Leben mit der Angst".

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