• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Raja ist aus Syrien nach Deutschland gekommen. Früher wollte er sich nicht als Geflüchteter bezeichnen, inzwischen denkt er darüber anders.

"Ein richtiger Geflüchteter ist für viele eine Person, die diesen traumatisierenden Fluchtweg erlebt hat und nicht mit dem Flugzeug gekommen ist."
Raja über die Reaktionen auf seine Fluchtgeschichte

"Ich hatte das Gefühl, ich darf mich nicht als Geflüchteter bezeichnen, wenn ich nicht diesen Fluchtweg erlebt habe", erinnert sich Raja. Denn er kommt mit einem Studierendenvisum und dem Flugzeug nach Deutschland, stellt erst später einen Asylantrag. Viele Menschen, denen er seine Geschichte erzählt, reagieren enttäuscht und geben ihm deshalb lange Zeit das Gefühl, dass er kein Geflüchteter sei. Dabei, sagt Raja, kann er als queere Person in Syrien nicht in Sicherheit leben und floh aus diesem und vielen anderen Gründen aus dem Land.

Raja schämt sich nicht mehr, Geflüchteter zu sein

Inzwischen fühlt sich Raja nicht mehr schlecht, wenn ihn jemand Geflüchteter nennt und auch er selbst bezeichnet sich so. Zum einen, so sagt er, liege das daran, dass er sich genauer mit dem Wort und dessen Bedeutung beschäftigte: "Geflüchteter bedeutet, dass man wegen des Kriegs, der Verfolgung die eigene Heimat verlassen musste. Und das musste ich auch", sagt er.

Diese Erkenntnis verhilft Raja auch dazu, ein Wort, das er vorher als negativ behaftet wahrgenommen hat, positiv zu sehen: "Das Wort Geflüchteter zeigt mir, dass ich den Mut gehabt habe, mein Land zu verlassen, weil ich nach Sicherheit gesucht habe. Ich wollte und habe mein eigenes Leben gerettet. Ich bin froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe und schäme mich nicht dafür", sagt er heute.

Raja will kein Mitleid

Da Raja in der Vergangenheit einige schwierige Reaktionen auf seine Lebensgeschichte erhalten hat, wünscht er sich mehr Sensibilität beim Thema Flucht. Menschen sollten andere nicht einfach so nach ihrer Fluchtgeschichte fragen, denn das könne sehr traumatisierend oder verletzend sein. Zudem wolle man nicht immer seine Lebensgeschichte erzählen – auf einer Party beispielsweise wolle er einfach die Zeit genießen.

"Viele Menschen wollen eine traurige Fluchtgeschichte hören, damit sie sich besser fühlen."
Raja über die Reaktionen von anderen Menschen auf seine Geschichte

Und: Raja will kein Mitleid nur weil er Geflüchteter ist, er wünscht sich "ganz normal wahrgenommen zu werden", wie er sagt. "Viele sagen zum Beispiel: 'Ich bin froh, dass du hier in Deutschland bist.' Aber das will ich einfach nicht hören, denn das gibt mir das Gefühl, fremd zu sein. Ich möchte auch ein Teil dieser Gesellschaft sein, und ich bin ein Teil dieser Gesellschaft. Aber ich will auch das Gefühl haben, dass ich wirklich ein Teil davon bin", sagt Raja.

Mehr zum Thema:

Meldet euch!
Ihr könnt das Team von Ab 21 über WhatsApp erreichen. Uns interessiert: Was beschäftigt euch? Habt ihr ein Thema, über das wir unbedingt in der Sendung und im Podcast sprechen sollen?

Schickt uns eine Sprachnachricht oder schreibt uns per 0160-91360852.

Wichtig: Wenn ihr diese Nummer speichert und uns eine Nachricht schickt, akzeptiert ihr unsere Regeln zum Datenschutz und bei WhatsApp die Datenschutzrichtlinien von WhatsApp.