In Wien gibt es was Neues: ein "Fitnesscenter für die Seele" mit Lightroom, VR-Room und Multimedia-Raum mit 360-Grad-Naturlandschaft. Wir erzählen euch, was das genau ist und ob wir das tatsächlich brauchen.

Den "Kopf freimachen", die "Batterie aufladen", die "Konzentration steigern". So wirbt "Anima Mentis" in Wien, das angeblich erste "Fitnesscenter für die Seele". Auf 600 Quadratmetern gibt es unter anderem lichtdurchflutete Räume mit dem 360-Grad-Panorama einer Berglandschaft oder eines Mittelmeerstrandes. Dazu die passende Musik. Außerdem Naturmaterialien überall, zum Beispiel moosbewachsene Wände und Holzböden. Eintauchen in die virtuelle Realität der real existierenden Natur. Das Ganze für 199 Euro pro Monat. 

Primärprävention für die Psyche

Die Idee, die psychische Gesundheit zu fördern, sei auf jeden Fall zeitgemäß, sagt der Medizin-Psychologe und Gesundheitswissenschaftler Niko Kohls. Aus Sicht der Gesundheitsförderung spreche man hier von Primärprävention.

"Ein Fitnessstudio sorgt dafür, dass der Körper gesund bleibt. Warum sollte das nicht auch für die Seele gehen?"
Niko Kohls, Medizin-Psychologe und Gesundheitswissenschaftler an der Hochschule Coburg

Für die einen werde zwar sicherlich auch ein Spaziergang in der Natur ausreichend sein, um zu mehr innerer Ausgeglichenheit zu finden. Für andere, die vielleicht eher einen "organisierteren Kontext" bevorzugen und in einer "strukturierteren Form" trainieren wollen, sei das Angebot aber vielleicht eine sinnvolle Alternative, so Kohls. Es richte sich an Menschen, die vielleicht nicht die Möglichkeit haben, gerade mal eben in den Wald zu gehen.

Entspannung ist erlernbar

Viele Menschen hätten Probleme, zur Ruhe zu kommen und sich zu entspannen. Entspannung könne man aber auch lernen, so der Medizin-Psychologe. Viele hätten das aber eben nicht gelernt. Außerdem veränderten sich unsere Umgebung und unser Kontext. Unsere Gehirne seien sehr alt und eigentlich nicht dazu ausgelegt, den ganzen Tag vor Bildschirmen zu sitzen, die uns zur Passivität zwingen.

"Mental wird uns viel abverlangt, während unser Körper wie ein Hautsack unbeteiligt herumhängt. Das ist nicht die Ausstattung, für die wir evolutionär aufgestellt sind."
Niko Kohls, Medizin-Psychologe und Gesundheitswissenschaftler an der Hochschule Coburg

Etwa 10.000 Schritte sollte man am Tag gehen, sagen Wissenschaftler. Auch das Laufen im Wald hat eine revitalisierende Wirkung, haben Studien belegt. Naturerlebnisse tragen dazu bei, dass sich die Seele ein Stück weit regenerieren kann, so Kohls. 

Er empfiehlt 15 Minuten Meditation und Entspannung am Tag. Darüber hinaus rät er, sich bewusst und reflektiert zu ernähren und zu bewegen. Dafür sollte man etwa eine Stunde einplanen. Das reduziere die Wahrscheinlichkeit, an Burn-out oder anderen Stresssymptomen zu erkranken.

Entspannung zu Hause und draußen

Mit einem schönen Naturvideo, sanfter Musik und einer Tageslichtlampe lasse sich das Feeling von "Anima Mentis" aber auch zuhause herstellen, sagt Kohls. Ohne 199 Euro im Monat dafür bezahlen zu müssen. Und um die Seele mal eben zwischendurch zu entspannen, präferiert er sogar noch viel einfachere Tricks - egal, wie das Wetter gerade ist. 

"Ich würde präferieren: Kaufen Sie sich einen Regenschirm und gehen raus."
Niko Kohls, Medizin-Psychologe und Gesundheitswissenschaftler an der Hochschule Coburg

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