Die Digitalisierung verändert die Tierhaltung. Kühe werden wohl künftig nicht mehr nur von Robotern gemolken, sondern auch mit Sensoren überwacht. Das soll dem Tierwohl dienen.

Früher wurden Kühe mit der Hand gemolken. Inzwischen übernehmen das in vielen großen Betrieben Melkroboter. Die Technik wird weiter entwickelt und die Zukunft liegt möglicherweise im Digital Animal Farming. Bei dieser digitalisierten Variante des Kühe Melkens und Kühehaltens wird der Zustand der Tiere wieder mehr in den Fokus rückt. 

Kameras, Sensoren und vernetzte Technik

Uwe Mohr vom landwirtschaftlichen Bildungszentrum im mittelfränkischen Triesdorf beschreibt die Technisierung der Tierhaltung: Erst Melkmaschine, dann Automatisierung und Melkroboter bis hin zur vollständigen Digitalisierung.

"Erst kam die Technisierung, als nächster Schritt die Melkmaschine, dann kam die Automatisierung mit dem Melkroboter, und jetzt sind wir im Bereich der Digitalisierung."
Uwe Mohr, landwirtschaftliches Bildungszentrum Triesdorf

In der digitalen Welt der Tierhaltung spielen Kamaras, Sensoren, Fütterungs- und Melkroboter und die technologische Vernetzung von all dem eine große Rolle. Kühe werden zwar weiter von Robotern gemolken, die gehen aber viel sensibler vor, indem ist sich die Euter per Lasertechnik suchen, sie mit weichen Bürsten erst sanft reinigen und erst dann vorsichtig ansetzen. Für die Tiere ist das sehr angenehm. 

Tiere werden mit Sensoren vermessen und in 3D ausgewertet

Neu ist, dass nebenbei viele Daten gesammelt und ausgewertet werden, sagt Rosemarie Oberschätzel-Kopp von Lely, einer Firma, die diese Technologie anbietet.   

"Bei jeder Melkung wird das Gewicht des Tieres und die Milchmenge gemessen, genauso wie Fett und Eiweiß. Die Milchfarbe wird erfasst, falls sich Blut dazu mischt."
Rosemarie Oberschätzel-Kopp, Lely

Betreibt ein Hof Digital Animal Farming, tragen die Kühe Sensoren um den Hals, die registrieren, wie sich die Kuh im Stall bewegt, wie lange sie liegt oder wie lange sie wiederkäut. 

Außerdem kommen über das Futter weitere Sensoren in den Magen der Kuh, wodurch sich Daten über den Stoffwechsel erfassen lassen. Die Bauern gucken sich das alles in 3D am Computer an. Diese 3D-Scans zeigen mögliche Probleme bei den Tiere an und können frühzeitig Krankheiten erkennen. 

In der umfassenden Datenerfassung der Tiere liegt die wesentliche Neuerung, denn sie legt den Fokus auf das Wohl der Tiere. Bei der ersten Technisierung der Tierhaltung, etwa beim Melken, wurde das damals nicht berücksichtigt, sagt Tierethiker Thomas Blaha.   

"Die Technik hat dazu geführt, dass die Menschen weniger im Stall waren."
Thomas Blaha, Tierethiker

Dadurch, dass die Kühe einfach nur an die Melkmaschine mussten, sei oft tagelang übersehen worden, wenn Tiere krank wurden, so Thomas Blaha. Die Technik dürfe nicht dazu führen, dass sie an Stelle des Menschen tritt. Genau hier setzt das Digital Animal Farming an, das auf einem Herdenmanagementsystem basiert, das anzeigt, welchen Tieren es schlecht geht und welche Aufmerksamkeit brauchen, sagt Rosemarie Oberschätzel-Kopp. 

"Der Landwirt merkt, welche Tiere lange Zeit nicht beim Melken waren und genau diese Tiere kann er sich dann gezielt ranholen."
Rosemarie Oberschätzel-Kopp

Landwirte selbst wissen, dass nur gesunde Tiere auch viel Milch geben und ertragreich sind. Die Digitalisierung und Vernetzung soll das Tierwohl nun verstärkt in den Fokus nehmen und gleichzeitig effizient sein, damit der wirtschaftliche Erfolg eines Betriebes gesichert ist. Das zumindest ist das Versprechen der Anbieter dieser neuen Technologie zur Tierhaltung.

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