Weil die Geflügelhalter keine Verwendung für sie haben, werden männliche Küken oft getötet. Sogenannte Bruderhahn-Eier, für die man im Supermarkt ein paar Cent mehr bezahlt, sollen das Vorgehen ändern. Das klappt aber nicht wirklich.

Im Schnitt kommt für jede Legehennen auch ein Hahn zur Welt – das Geschlechterverhältnis bei Hühnern ist wie beim Mensch circa 1:1.

Weil Hähne keine Eier legen und sich zudem schlechter für die Fleisch-Aufzucht eignen, werden männlichen Küken direkt nach ihrer Geburt getötet. "Bruderhähne" ("Bruder", weil die Hähne die Brüder der Hennen sind) will nämlich keiner so richtig haben.

Verkauf läuft nicht gut

Die Initiative bruderhahn.de will das ändern: Sie schlägt pro verkauftem Ei 4 Cent drauf und mästet auch die Bruderhähne statt die Küken zu schreddern bzw. zu vergasen.

Die gemästeten Hähne werden nach 16 Wochen geschlachtet - und dann zum Beispiel als Gockelfleisch, Gockel-Frikassee oder "Mexiko-Gockel" verkauft. Der Verkauf läuft aber nicht gut, sagt der Bio-Landwirt Andreas Klose.

"Die Vermarktung der Fleischprodukte könnte ein bisschen flotter sein. Es werden eigentlich mehr Hähne aufgezogen als man Fleisch vermarkten kann."
Andreas Klose, Bio-Landwirt

Die Hähne stellen Geflügelhalter vor große Herausforderungen: Zum einen sind sie im Vergleich zu speziell gezüchteten Masthähnchen recht ineffizient: Sie fressen mehr, brauchen aber trotzdem viel länger, um auf ein halbwegs ordentliches Schlachtgewicht zu kommen. 

Außerdem ist die Schlachtung und Verarbeitung der Tiere komplizierter: Weil die Hähne zu klein sind, um mit den gleichen Maschinen verarbeitet zu werden wie die fetten Masthühner, muss vieles per Hand gemacht werden. Am Ende kosten 400 Milliliter Gockelfrikassee rund sechs bis zehn Euro.

Den Preis wollen oder können viele Kunden nicht bezahlen. Auch der Geschmack ist ein anderer: Das Fleisch ist würziger, intensiver – schmackhaft eigentlich, aber eben ungewohnt.

Eine mögliche, wenn auch nur Nischen-Lösung: Viele Spitzenrestaurants haben Interesse an dem Gockelfleisch und verkaufen es als Delikatesse. Auch bei Herstellern für Babynahrung sind die Hähne begehrt, weil sie ohne Antibiotika großgezogen werden.

Mästen überhaupt besser als Küken töten?

Männliche Küken nicht direkt zu töten, könnte als moralisch gute Idee gewertet werden, weil die Tiere nicht sinnlos sterben. Nach dem Schlachten werden sie schließlich zu Nahrungsmitteln weiterverarbeitet.

Bei dieser Betrachtung müssen allerdings zwei Dinge berücksichtigt werden:

  • Die meisten Küken werden nicht geschreddert, sondern - womöglich weniger qualvoll - mit CO2 betäubt und schlussendlich getötet.
  • Ein Teil der männlichen, getöteten Küken wird als Tierfutter in Falknereien und Zoos verwendet.

Also doch lieber beim Küken-Töten bleiben? Das muss nicht sein. Es gibt Alternativen, wie entweder die männlichen Küken überleben können - ohne die beschriebenen Nachteile der Bruderhahn-Initiative - oder bei der zumindest nicht ein geschlüpftes Küken, sondern das Embrio getötet wird.

Mehr über die Alternativen hört ihr hier:

Katja Scherer, Deutschlandfunk Nova
"Um bei dem Thema wirklich gute Lösungen zu finden, da muss man ganz genau hinschauen."

Mehr zum Thema:

Shownotes
Geflügelzucht
Gegen das Töten männlicher Küken: Warum es die "Bruderhähne" schwer haben
vom 10. Dezember 2018
Moderation: 
Christoph Sterz
Autorin/Gesprächspartnerin: 
Katja Scherer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin