Relaxation-Drinks oder Schlafdrinks sollen uns helfen, besser runterzukommen und entspannt zu schlafen. Aber halten sie, was sie versprechen? Unser Reporter hat sie probiert - und bei Experten nachgefragt. 

Gut schlafen ist wichtig, das hat wahrscheinlich jede mitbekommen. Trotzdem klappt das nicht immer. Wir liegen im Bett, der Kopf rattert weiter, wir kommen kaum zur Ruhe, da klingelt schon wieder der Wecker. Die Nachfrage nach Einschlafhilfen dürfte also groß zu sein. Verschiedene Firmen haben darauf reagiert, und Schlafdrinks entwickelt. 

Sleep.ink, Sleep, Tyme Out und Snooze – diese Präparate will unser Reporter Stephan testen. Und nicht alle sind klassische Drinks. "Sleep" gibt es zum Beispiel als Kapsel oder Spray.

Schlafdrinks enthalten Kräuter oder Melatonin

Die Produkte lassen sich in zwei Gruppen aufteilen: Die einen nutzen Baldrian und verschiedene Kräuter wie Zitronenmelisse und Hopfen. Die anderen enthalten das Hormon Melatonin. 

Snooze ist zum Beispiel so ein Getränk auf Kräuterbasis. Erfunden wurde es von Hans Peter Vriens, einem der Gründer von Red Bull. Hans-Peter Vriens sagt: "Ich wollte ein Produkt haben, das chemiefrei ist. Das nur Kräuter hat. Nur Kräuter in einer Dosis, die man spüren kann. Damit man gut einschlafen kann und gut durchschlafen kann."

"Das ist ja ein Hormon, das Melatonin. Weil es eine pharmakologische Wirkung hat, dürfen hier eigentlich Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin gar nicht auf den Markt kommen."
Stefanie Reichert, Apothekerin

Sleep.ink enthält auch Melatonin. Das Hormon ist eigentlich verschreibungspflichtig, sagt Apothekerin Stefanie Reichert – bei ihr hat Stephan nachgefragt. Und Ingo Fietze , Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité, sagt Stephan zumindest, dass Melatonin bei einem normalen Melatonin-Spiegel im Körper keine Auswirkungen haben sollte. 

Tatsächlich befinden sich manche vermeintlichen Arzneiprodukte in einer Grauzone: Es gibt ein sogenanntes Knoblauchkapselurteil des Europäischen Gerichtshofs. Diesem Urteil zufolge können zum Beispiel Knoblauchkapseln nicht grundsätzlich als Arznei angesehen werden, da ihre Wirkung nicht erwiesen sei. Somit unterliegen sie nicht den Richtlinien von Arzneimitteln und gelten als Nahrungsergänzungsmittel. Auf Stefans Anfrage bei Sleep.ink sagt ihm Mitgründer Malte Gützlaff, dass sie rechtlich gecheckt hätten, ob sie das Produkt mit Melatonin vertreiben dürfen und nur manche Apotheken noch nicht auf dem neuesten Stand seien.

Auf den Glauben kommt es an

Stephan schläft jedenfalls nach allen Schlafdrinks gut: egal auf ob auf Kräuterbasis oder ob mit Melatonin. Dabei ist aber nicht klar, ob die Drinks überhaupt einen Einfluss auf sein Schlafverhalten haben. Das sagt auch Ingo Fietze.

"Ein Schlaftrunk, hört sich erst mal gar nicht so schlecht an, aber aus wissenschaftlicher Sicht kann ich Ihnen sagen, dass all diese Drinks überhaupt keinen Nachweis erbracht haben, dass sie Sinn machen."
Ingo Fietze, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité

Auch Snooze-Erfinder Hans Peter Vriens bestätigt: Wer an das Produkt glaube, spüre die Wirkung. Und wenn es auch noch richtig wirke, spüre man es öfter. Dem Absatz scheint das nicht zu schaden: Hans-Peter Vriens, Malte Gützlaff und die anderen Hersteller berichten von guten Verkaufszahlen und körbeweise positivem Feedback.

"Ein Glas Kamillentee ist genauso effektiv wie jeder dieser Schlafdrinks, von denen sie gerade gesprochen haben."
Ingo Fietze, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité

Apothekerin Stefanie Reichert sieht das anders: Sie will in ihrer Apotheke auf medizinisch geprüfte Präparate setzen. Und Ingo Fietze empfiehlt einen Kamillentee. Denn wenn Glaube und Placebowirkung einerseits und ein Ritual andererseits so gut funktionieren, sollte der aus seiner Sicht genauso effektiv sein.

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