Wenn sich Tiere mit dem Coronavirus infizieren, kann es passieren, dass die Krankheitserreger im Wirt mutieren. Im schlimmsten Fall führt das zu neuen Pandemien. Ein österreichisches Forschungsteam hat daher eine Datenbank aufgebaut, um die Coronavirus-Inzidenzen bei Tieren im Blick zu behalten.

Eine Schlagzeile aus dem Jahr 2020 besagt, dass sich ein Tiger in einem New Yorker Zoo bei Pflegern mit dem Coronavirus angesteckt habe. Zu diesem Zeitpunkt war die Verunsicherung bei vielen Haustierbesitzern noch groß, schnell kam die Frage auf, ob auch die Haustiere zur Coronaimpfung müssen.

"Hunde können sich offenbar beim Menschen anstecken, verbreiten das Virus dann aber nicht weiter."
Inga Gebauer, Deutschlandfunk Nova

Vom Tier auf den Menschen übertragen: Die meisten Infektionskrankheiten sind Zoonosen

Bei den meisten Infektionskrankheiten handelt es sich tatsächlich um Zoonosen, also Übertragungen zwischen Mensch und Tier. Besitzer*innen können sich also bei ihren Haustieren anstecken – und die Haustiere bei den Besitzer*innen.

Beruhigend ist dabei für viele Haustierbesitzer*innen vielleicht, dass sich die Tiere relativ schnell von einer Coronavirus-Infektion erholen und dass sich eher die Tiere bei den Menschen anstecken als umgekehrt.

Kritisch wird es, wenn seltene vom Aussterben bedrohte Arten betroffen sind: In Indonesien sollen sich beispielsweise 2021 zwei Sumatra-Tiger im Zoo angesteckt haben. Sie wurden behandelt und sind wieder genesen.

Mutationen bergen Gefahr für neue Pandemien

Um sich einen besseren Überblick über die weltweit dokumentieren Fälle zu verschaffen, haben österreichische Forschende begonnen, eine Datenbank aufzubauen. Insgesamt rund 700 Fälle konnten sie dabei zusammentragen, in denen eine Corona-Infektion bei Tieren festgestellt wurde.

Die Forschenden halten es für wichtig, diesen Bereich genauer zu erforschen. Denn ein Virus, das von einem Menschen auf ein Tier übertragen wird, könnte im jeweiligen Wirt mutieren. Stecken sich dann wiederum Menschen bei den jeweiligen erkrankten Tieren an, dann kann das schlimmstenfalls neue Pandemien hervorrufen. Und auch dazu beitragen, dass der Erhalt bedrohter Tierarten gefährdet wird, vorausgesetzt es besteht ein Infektionsrisiko.

"In den dokumentierten Fällen war die Sterblichkeit bei den Tieren übrigens niedriger als bei Menschen."
Inga Gebauer, Deutschlandfunk Nova

Bei den erfassten Haustieren gibt es laut Datenbank rund 26 Arten, die sich bisher mit dem Coronavirus angesteckt haben: unter anderem Hunde, Katzen und zum Beispiel auch Hamster. Der erste Fall wurde 2020 gemeldet, als sich in Hong Kong ein Hund bei seinem Besitzer angesteckt hatte. In den Zoos betraf es bislang hauptsächlich Gorillas, Löwen, Tiger und Otter.

Auch bei Tieren in freier Wildbahn wurde das Coronavirus festgestellt, unter anderem bei einer nordamerikanischen Hirschart und bei Leoparden.

Außerdem gab es größere Ausbrüche auf Nerzfarmen. In Dänemark hatte die Regierung angeordnet, mehrere Millionen Nerze in Pelztierzuchten keulen zu lassen, um eine weitere Ansteckungen von Menschen zu verhindern.

Spillback – Rückübertragung vom Mensch zum Tier

Bei 46 Prozent der rund 700 dokumentierten Fälle sprechen die Forschenden vom sogenannten "Spillback", also einer Rückübertragung vom Menschen auf das Tier. Denn es gilt als sehr wahrscheinlich, dass die Erstansteckung von Covid-19 vom Tier auf den Menschen stattgefunden hat. Bei rund der Hälfte der registrierten Corona-Infektionen von Tieren war laut den Forschenden nicht bekannt, wie sich die Tiere angesteckt hatten.

Ein Spillback konnte beispielsweise bei Hamstern, Nerzen oder Hirschen nachgewiesen werden. Manche infizierten Tiere haben auch andere Arten angesteckt. Bekannt ist zum Beispiel, dass Nerze Katzen infiziert haben. In manchen seltenen Fällen wurden auch Menschen von kranken Tieren angesteckt.